Aus dem Unternehmen

„Unsere Wälder brauchen nicht irgendwann Unterstützung, sondern jetzt.“

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23. September 2026
Lesedauer: 10 Minuten

Rhomberg Bau unterstützt Klimaschutzprojekte von Pina Earth in Vorarlberg. Im Gespräch erklärt Pina Earth-Vertriebsleiter Maximilian Venhofen, warum dieser Einsatz sinnvoll ist, was mit dem Geld konkret passiert – und warum verantwortungsvolle Kommunikation entscheidend ist.

Herr Venhofen, CO₂-Zertifikate sind ein sensibles Thema. Warum ist Ihnen Transparenz dabei so wichtig?

Weil der freiwillige Kohlenstoffmarkt in den vergangenen Jahren nicht immer das Vertrauen geschaffen hat, das er braucht. Es gab Fälle, in denen Annahmen nicht gestimmt haben oder zu viele Zertifikate ausgestellt wurden. In den Projekten von Pina Earth vermeiden wir das, indem wir die Projekte basierend auf wissenschaftlichen Daten entwickeln, mit konservativer CO2-Berechnung und öffentlicher Methodik. Genau deshalb müssen wir sehr offen zeigen, was wir tun, wie unsere Projekte funktionieren und welche Wirkung entsteht. Jede Möglichkeit, das zu erklären, hilft dabei, mehr Klarheit in ein komplexes Thema zu bringen.

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Für Unternehmen, die Verantwortung übernehmen wollen, ist es oft wichtig, dass Wirkung nicht abstrakt bleibt, sondern vor der eigenen Haustür sichtbar wird.
Maximilian Venhofen
Pina Earth

Was unterscheidet Pina Earth von anderen Anbietern am CO₂-Markt?

Wir verstehen uns nicht als Händler, Broker oder Reseller, sondern als Projektentwickler. Das ist ein wichtiger Unterschied, weil wir eben nicht einfach nur mit Zertifikaten handeln, sondern mit konkreten Projekten messbare Klimaschutzleistungen schaffen. Die so entstandenen CO2-Senkleistungen lassen wir unabhängig vom TÜV Austria zertifizieren. Dazu entwickeln wir für Waldgebiete in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Tschechien und Italien individuelle Klimaschutzkonzepte – mittlerweile bereits über 90 Projekte mit 170 000 Hektar Wald.

Wie stelle ich mir das konkret vor?

Am Anfang steht immer die Frage: Was muss passieren, damit in einem Wald zusätzlich CO₂ gebunden oder langfristig erhalten wird? Dafür braucht es Methodiken, wissenschaftliche Grundlagen, Verträge mit Waldbesitzenden, Prüfprozesse und langfristige Begleitung.

 

In den Projekten selbst setzen wir vor allem auf vier Methodiken: Beim Waldumbau unterstützen wir Wälder dabei, sich von anfälligen Monokulturen hin zu stabileren, biodiverseren Mischwäldern zu entwickeln. Dabei geht es nicht einfach darum, einzelne Baumarten auszutauschen, sondern die Widerstandsfähigkeit des gesamten Waldsystems gegenüber Klimawandel, Trockenheit, Schädlingen und Extremwetter zu erhöhen. Bei der Wiederaufforstung pflanzen wir da, wo Waldflächen geschädigt sind oder Bäume fehlen, neue Bäume - abgestimmt auf Standort, Boden, Klimaentwicklung und langfristige Waldgesundheit. Ziel ist ein Wald, der künftig besser mit veränderten Bedingungen umgehen kann.

 

Außerdem setzen wir auch auf Naturreservate, also Wälder und Waldflächen, die bewusst in Ruhe gelassen werden. Bäume dürfen altern, Totholz bleibt im Bestand, natürliche Prozesse laufen ungestörter ab. Das stärkt Lebensräume, schützt bestehende CO₂-Speicher und fördert die ökologische Vielfalt. Der Klimabeitrag entsteht hier also nicht durch das Pflanzen neuer Bäume, sondern durch den langfristigen Schutz und die natürliche Entwicklung wertvoller Waldflächen.

 

Last, but not least verfolgen wir auch den Ansatz des Improved Forest Managements (IFM), also einer schonenderen, verbesserten, klimaresilienteren Bewirtschaftung bestehender Wälder, die die CO2-Senkenleistung der Wälder erhöht.

Womit wir bei der Unterstützung von Rhomberg Bau wären – die fließt in solche IFM-Projekte?

Das ist korrekt, die Investitionen von Rhomberg Bau werden vollständig für IFM-Projekte in Vorarlberger Wäldern genutzt – unter anderem in Bludenz, im Montafon und im Klostertal. Der Baumbestand hier ist grundsätzlich noch in einem guten Zustand. Dennoch gibt es natürlich große Herausforderungen. Denen begegnen wir mit einer verbesserten, individuell angepassten Waldbewirtschaftung.

 

Das Improved Forest Management hat zwei Ebenen: Auf der ersten verpflichten sich Waldbesitzende, nicht unter einen bestimmten Baumbestand zu gehen, damit mehr CO₂ auf der Fläche gespeichert bleibt. Dafür erhalten sie finanzielle Mittel, die sie – das ist die zweite Ebene – wiederum in Maßnahmen investieren müssen, die den Wald zukunftsfähiger machen. Dazu gehören ein vorbeugendes Risikomanagement gegen Schädlingsbefall, das Ausweisen von Schutz- und Ruhezonen und vor allem eine schonendere Bewirtschaftung. So bringt das Investment unserer Sponsoren doppelten Nutzen.

Das klingt weniger nach „ein paar Bäume pflanzen“ als nach langfristiger Waldarbeit.

Genau. Viele stellen sich Klimaschutzmaßnahmen in Waldgebieten sehr einfach vor: Man pflanzt ein paar Bäume, und dann ist das Projekt erledigt. In Wirklichkeit ist es deutlich komplexer. Beim Waldumbau etwa müssen Kronen gelichtet werden, damit junge Bäume überhaupt Licht bekommen. Man muss den Boden vorbereiten, die richtigen Arten für den Standort auswählen und junge Pflanzen vor Wildverbiss schützen. In vielen Fällen werden Bäume tatsächlich von Hand gesetzt. Gleichzeitig gibt es natürliche Prozesse, die man nutzen kann – etwa die Aussat von Eicheln durch den Eichelhäher. Dieser Singvogel legt Wintervorräte an, indem er Eicheln im Wald vergräbt. Da er aber nicht alle wieder ausgräbt und verspeist, entstehen automatisch neue Bäume.

Warum setzt Pina Earth auf regionale Projekte in Europa? Wäre Klimaschutz im globalen Süden nicht viel wirkungsvoller und noch dazu oft günstiger?

Der globale Süden spielt für den Klimaschutz selbstverständlich eine große Rolle. Aber auch Europas Wälder stehen massiv unter Druck. Wir sehen Dürre, Borkenkäfer, Stürme und große Mengen an Schadholz. Der Klimawandel trifft unsere Wälder schneller, als viele gedacht haben. Und der Wald denkt in Generationen – wir haben aber nicht die Zeit, erst irgendwann zu reagieren.

 

Für Unternehmen kommt ein zweiter Punkt hinzu: Regionale Projekte sind greifbarer. Man kann sie besuchen, anschauen und nachvollziehen. Das schafft Vertrauen. Für Unternehmen, die Verantwortung übernehmen wollen, ist es oft wichtig, dass Wirkung nicht abstrakt bleibt, sondern vor der eigenen Haustür sichtbar wird.

Was passiert, wenn Dürre, Sturm, Feuer oder Borkenkäfer ein Projekt schädigen?

Auch das muss eingepreist und mitgedacht werden. Bei den Projekten, die Rhomberg Bau unterstützt, handelt es sich um Ex-post-Zertifikate. Das heißt: Zertifikate werden erst im Nachhinein ausgestellt, nachdem die Klimaleistung überprüft wurde. Nicht wir stellen die Zertifikate aus, sondern unabhängige Prüfinstanzen wie der TÜV.

 

Der TÜV spielt in diesem Zusammenhang überhaupt eine wichtige Rolle: Wir entwickeln Projekte, Methoden und Grundlagen, aber das Zertifikat kommt nicht einfach von Pina Earth. Externe Prüfer schauen sich die Projekte an, prüfen Unterlagen und kontrollieren, ob die Maßnahmen und Berechnungen plausibel sind. Gerade in Europa haben wir den Vorteil, dass viele Wälder seit langer Zeit sehr gut dokumentiert sind – mit Inventuren, Einschlagsmeldungen und historischen Daten. Das schafft eine solide Grundlage für Berechnungen und Kontrollen.

 

Wenn in einem Projekt etwas passiert – etwa durch Dürre oder Schädlingsbefall –, dann gibt es im nächsten Jahr weniger Zertifikate. Entscheidend ist außerdem, nicht nur auf den einzelnen Baum zu schauen, sondern auf die gesamte Fläche und ihre Speicherleistung. Zusätzlich arbeiten wir mit konservativen Berechnungen und Risikopuffern. Wenn etwas schiefgeht, greift dieser nicht verkäufliche Puffer.

Was muss passieren, damit Klimaschutzprojekte künftig noch glaubwürdiger und wirksamer werden?

Auf europäischer Ebene bewegt sich hier einiges, etwa durch Bestrebungen, regionale Klimaschutzprojekte stärker zu strukturieren und zu fördern. Aber es dauert zu lange. Unsere Wälder brauchen nicht irgendwann Unterstützung, sondern jetzt.

Über den Gesprächspartner

Maximilian Venhofen ist Head of Sales bei Pina Earth und Ansprechpartner für Unternehmen, die in regionale Waldklimaschutzprojekte investieren möchten. Er begleitet internationale und mittelständische Kunden bei Fragen rund um CO₂-Zertifikate, freiwillige Klimabeiträge und deren transparente Kommunikation.

 

Pina Earth entwickelt Klimaschutzprojekte in europäischen Wäldern und verbindet forstwissenschaftliche Expertise mit datenbasierter Technologie, um Waldbesitzende bei der klimaresilienten Bewirtschaftung ihrer Wälder zu unterstützen. So arbeitet Pina Earth neben Rhomberg Bau mit Unternehmen wie Airbnb, Deutsche Telekom und Celonis zusammen, um die Unternehmen bei der Erreichung ihrer Klimaziele zu unterstützen.

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