Nachhaltigkeit

Sinn für die Umwelt in Bauprojekten

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Lesedauer: 10 Minuten

Nachhaltigkeitsaspekte in Bauprojekten zu berücksichtigen, hat bei Rhomberg Bau Tradition. Auch unseren Kund:innen werden ökologische Aspekte bei Bau oder Sanierung immer wichtiger. Wir haben einige wesentliche aufgegriffen und berichten dazu aus in Bau oder Planung befindlichen Projekten.

Nachhaltige Energiesysteme

Den Pfad in Richtung „null fossile Heizsysteme“ im Wohnbau hat Rhomberg Bau schon vor geraumer Zeit eingeschlagen. 100 Prozent der in der Schweiz, Deutschland und in Ostösterreich/ Wien jährlich fertiggestellten Eigenprojekte erfüllen heute dieses Kriterium; in Vorarlberg stehen wir bei 90 Prozent. In Gebieten ohne Fernwärmeanschluss kommen individuelle Lösungen – zum Beispiel Pelletsheizung mit Photovoltaikunterstützung – zum Einsatz, wie beim Projekt Sophies Gärten in Wien. 

 

Ein Projekt, das hinsichtlich Energiesystem heraussticht: 

Der Neubau JED2226, der in Schlieren in der Schweiz realisiert wird, kommt in den oberen drei Geschossen ohne konventionelle Heiz-, Lüftungs- und Klimainstallationen aus. Die Raumtemperaturen sind immer zwischen 22 °C und 26 °C. Über Sensoren werden die Temperatur, der CO₂-Gehalt und die Luftfeuchtigkeit laufend gemessen und je nach Bedarf die Lüftungsflügel an der Fassade automatisch geöffnet oder geschlossen. Im Winter wird die angenehme Raumtemperatur im Inneren des Gebäudes durch die Abwärme der Menschen und der eingesetzten Geräte sowie durch die Lampen erzeugt. Die Fassaden bestehen aus einem zweischaligen Mauerwerk mit wärmedämmendem Ziegelstein. 

 

Im Sommer verhindern die rückversetzten Fenster die direkte Sonneneinstrahlung und somit die Temperaturerhöhung der Innenräume bzw. einen Wärmestau.

 

Zudem sind alle Baumaterialien recycelbar. Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss sind Labore geplant. Für diese Räumlichkeiten ist eine moderne Haustechnik vorgesehen. Dieser innovative Hybridbau zeigt neue Wege auf.

 

Im Rahmen von Gebäudezertifizierungen spielen Energieeffizienz und Klimaschutz eine große Rolle. Bei Projekten in Vorarlberg dürfen wir insbesondere für unsere gemeinnützigen Kunden Wohnbauten nach klimaaktiv-Kriterien errichten. Beispiele sind die Wohnanlagen Kaiser-Franz-Josef-Straße und Bahnhofstraße in Lustenau (Silber) und Landstraße Schlins (Silber) (alle 2021). Unser Headquarter in Bregenz erfüllt die DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen)- Gold-Kriterien. 

 

Bei Investorenprojekten kommen Zertifizierungen wie DGNB, SNBS (Standard für Nachhaltiges Bauen Schweiz), Minergie (Schweiz) und andere zum Einsatz. Ein aktuelles Beispiel ist das Projekt „Anken Park“ im Schweizer Wetzikon, das 2022 den DGNB-Gold-Status erhielt.

Baustoff der Wahl

Wir bauen auf Holz – und setzen alles daran, diesen kostengleich zum Massivbau anbieten zu können. Je nach Kundenbedarf haben wir unterschiedliche Lösungen entwickelt. Cree und Zero zielen mit ihrem Holz-Hybrid- bzw. Holz-Systembau darauf ab, Gewerbe- und Bü- roimmobilien emissionsärmer, zeitsparender und sauberer zu errichten. So spart ein HolzHybrid-Gebäude allein bei den Baumaterialien bis zu 80 Prozent CO₂-Emissionen ein. Die Produktivität der Mitarbeitenden steigt in einer Umgebung mit Sichtholz nachweislich; Krankheitstage gehen zurück. Überzeugende Argumente auch für den mehrgeschossigen Wohnbau in Holzbauweise, wie ihn die Pionier:innen von WoodRocks perfektionieren.

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"In Österreich und vor allem in Vorarlberg wird dieses Gebäude in seiner Kombination aus Höhe, Bauweise und Sichtbarkeit des Holzes einzigartig sein."
Gernot Erne
Vorstand Raiffeisenbank Im Rheintal

Holz-Hybrid-Gebäude

Markanter Bestandteil des neuen Ortsteilzentrums Rheindorf in Lustenau wird ein Holz-Hybrid-Gebäude für Bauherr Raiffeisenbank mit 26 Mietobjekten. Bei der Planung flossen zahlreiche Erkenntnisse aus vorangegangenen Holzbauprojekten ein. So kann erstmals ein achtstöckiges Gebäude dieser Größe realisiert werden, das kostentechnisch mit einem Vergleichsgebäude in Massivbauweise mithalten kann.

 

Bestnote für das Cree System

Das vor kurzem vom Hauptmieter Vattenfall bezogene EDGE Südkreuz Berlin ist das aktuell größte Holz-Hybrid-Gebäude in Deutschland. Realisiert wurde dieses Vorzeigeprojekt in Sachen Lebenszyklusbetrachtung durch die Rhomberg Systembau in Kooperation mit der Zech Group aus Deutschland. 396 Wandelemente und 1.157 Holz-Hybriddeckenelemente wurden im CREESystem vorgefertigt und für die gesamt 32.000 m2 Geschossfläche montiert. Durch den Einsatz von Holz wurden stattliche 3.350 Tonnen CO₂ eingespart. Das Projekt erhielt die bislang höchste jemals vergebene Punktezahl (95,4 Prozent und damit Platin-Status) im Rahmen der DGNB-Zertifizierung für nachhaltige Gebäude, und zwar sowohl in sozialer als auch in ökologischer Hinsicht. Somit gilt es als das aktuell nachhaltigste Gebäude Deutschlands.

 

Patentierte Eigenentwicklung

In den Projekten unseres Holzbauspezialisten Sohm HolzBautechnik kommt die patentierte Eigenentwicklung DiagonalDübelholz® zum Einsatz. Die preisgekrönte Technik bedarf keinerlei metallischer Verbindungsmittel und reduziert den Leimanteil auf ein absolutes Minimum. Sie ist außerdem zertifiziert in Sachen Schallabsorption und Brandbeständigkeit. Die Rohware wird ausschließlich von Vorarlberger Sägewerken bezogen. Im Bild die Wohnanlage Heldenstraße in Feldkirch, die in Zusammenarbeit mit Rhomberg Bau für die Wohnbauselbsthilfe entstand. Die Decken in allen drei Geschossen wurden in DiagonalDübelholz® Industrie Sicht mit einer 2-mm-Schattenfuge ausgeführt.

EDGE Suedkreuz Berlin_©Ilya Ivanov
 
Heldenstrasse-Feldkirch
 

Entsiegelung und Begrünung

Die Entsiegelung versiegelter Flächen hat eine hohe Relevanz für die Anpassung an den Klimawandel: Durch versickerungsfähige Oberflächen können nicht nur lokale Überschwemmungen bei Starkregenereignissen verhindert, sondern auch der Überhitzung der Städte entgegengewirkt werden. Außerdem stellen Böden – neben Luft und Ozeanen – eine der wichtigsten CO₂-Senken dar. Hier zwei Beispiele, wie aus vollversiegelten Arealen grüne Lebensräume geschaffen werden.

 

Leopoldsdorf: Auf dem über 10.000 m2 großen Gelände eines ehemaligen Ziegelwerks entsteht eine grüne Nachbarschaft. Etwa die Hälfte der versiegelten Fläche wird aufgebrochen und begrünt.

 

Friedrichshafen: Das vollversiegelte Gewerbeareal weicht einem Wohnbauprojekt mit Dachbegrünung, begrüntem Innenhof, Gärten und einer Allee entlang der Hünistraße.

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Beethovenstraße Hohenems
 

Sanierung statt Neubau

Laut einer aktuellen Studie des Wuppertal Institutes verursacht die energetische Sanierung unter Betrachtung des gesamten Gebäudelebenszyklus nur 50 Prozent des CO₂-Fußabdrucks eines Neubaus. Für unsere Sanierungsexpert:innen ist das aber nur einer der Vorteile einer Sanierung. Satte Einsparungen bei der Energierechnung, mehr Lebensqualität für die Bewohner:innen, eine grünere Umgebung und eine deutliche Wertsteigerung der Immobilie sind weitere wesentliche Vorteile.

Die Immobilienverwaltung und Rhomberg-Tochter vplus analysiert gemeinsam mit Rhombergs Bauen-im-Bestand-Team Sanierungspotenziale in Wohnanlagen. Im Bild das Projekt Beethovenstraße in Hohenems, bei dem die thermische Generalsanierung den Primärenergiebedarf um über 80 Prozent senken konnte.

 

Wie kann die Sanierung einer Liegenschaft wirtschaftlich rentabel und gleichzeitig ökologisch innovativ gestaltet werden? Das Team Umbau und Sanierungen der Rhomberg Bau Schweiz tritt den Beweis an, dass dies in der Praxis funktioniert und ein gesamtheitlicher Mehrwert entsteht. 

 

Ausgangspunkt ist stets eine Gesamtkonzeptstudie, die den Zustand des Bestandsgebäudes Raum für Raum genauestens unter die Lupe nimmt. Mittels Ampelsystem wird den Kund:innen Stockwerk für Stockwerk die notwendige Sanierungstiefe aufgezeigt – und damit auch, inwieweit Mieter:innen während der Sanierung im Gebäude bleiben können. 

 

Die Sanierungsstrategie enthält auf dieser Basis passgenaue Lösungen, wie alle Einheiten etappenweise saniert werden können – mit einem Minimum an Mietzinsausfällen für den: die Vermieter:in. 

 

Damit nicht genug, ist der Anspruch, Bestandsimmobilien in „Innovation Hubs“ umzuwandeln. Dazu gehört die Energiegewinnung an der Gebäudehülle, eine Aufwertung der Siedlungsökologie durch Begrünung (die oftmals auch der Beschattung dient), die Optimierung und Digitalisierung der Hausverwaltung sowie der Einsatz umweltfreundlicher Materialien – beispielsweise bei Aufstockungen in Holzbauweise. Die am Ende des Sanierungsprozesses stehende „Krönung“ stellt die Zertifizierung der drei Bereiche Lebensraum / Gebäude / Konstruktion dar. Damit ist der Nachhaltigkeitsstandard auch extern validiert und die Immobilie bestens aufgestellt, als Teil eines „grünen“ Portfolios am Kapitalmarkt zu reüssieren.

Revitalisierung des ehemaligen ORF-Funkthauses - Bauteil D

In Wien schreitet die Revitalisierung des ersten Teils des ehemaligen ORF-Funkhaus-Areals voran. Ohne weitere Flächen zu versiegeln, werden 22 Wohnungen unter den Auflagen des Denkmalschutzes hergestellt. Historisch wertvolle Elemente wurden freigelegt und saniert. Der kulturelle Flair und der Betrieb des Radiocafés bleiben erhalten. Der innerstädtischen Lage und dem Ziel der Verkehrsberuhigung wurde Rechnung getragen, indem auf die Herstellung neuer PKW-Stellplätze vollständig verzichtet wurde.

 

DenkMalNeo

Kein:e Baumeister:in saniert ein Gebäude alleine. Das ist die fünfte These aus dem DenkMalNeo-Manifest. Vernetztes Arbeiten mit unseren Schwestergesellschaften JaKo Energie, Denk-MalNachhaltig und JaKo Baudenkmalpflege generiert neue Lösungen für einzelne Bestandsgebäude und ganze Quartiere. Ob kalte Nahwärmenetze, innovative Speichermethoden, Erd- und Luftwärme, SmartGrid oder die neue Generation von Photovoltaik und Solarthermie auch auf denkmalgeschützten Dächern: Gemeinsam übernehmen wir Verantwortung für eine Zeitspanne, die weit über unsere eigene hinausgeht.

 

Sanierung in Serie

Fast 40 Prozent des Energieverbrauchs in Österreich gehen auf das Konto von Wohn- und Bürogebäuden. Der Großteil davon für das Heizen. Hier liegt ein enormes Einsparpotenzial für Umwelt und Verbraucher:innen. Die Renowate GmbH, ein Joint Venture der Rhomberg Bau mit dem deutschen Wohnungsunternehmen LEG Immobilien, möchte dieses Potenzial heben und optimiert dafür digitale, serielle Modernisierungsprozesse im industriellen Maßstab, die Bauprozesse beschleunigen und Sanierungskosten senken. Ein großer Vorteil beim seriellen Sanieren ist, dass die Mieter:innen ihr Zuhause während der Bauphase weiternutzen können. Auch Baustellenlärm und -staub werden auf ein Mindestmaß reduziert. Das wird dadurch erreicht, dass sämtliche Vorarbeiten der Baumaßnahme weitgehend digitalisiert werden, unter anderem durch die Vermessung mittels Drohnen und der Anfertigung eines digitalen Gebäudezwillings.

Funkhaus-Wien1
 
Renowate
 

Kurze Wege für grüne Mobilität

Eine „grüne“ Immobilie mit geringem Energieverbrauch ist nur dann klimafreundlich, wenn auch die Mobilität vom und zum Gebäude mitbedacht wird. Idealerweise können die täglichen Wege zu Fuß, per Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden. Die Möglichkeit einer solchen Anbindung ist ein wichtiges Entscheidungskriterium, ob Rhomberg ein Projekt an einem Standort umsetzt.

Bessere Daten für neue Wege

Damit sich neue Ansätze etablieren können, benötigt es den Mut, diese in der Praxis umzusetzen und aus den Erkenntnissen zu lernen. Wir arbeiten dafür mit externen Partner:innen zusammen, führen aber auch eigene Analysen durch.

 

Der grauen Energie auf der Spur

Je weiter der energetische Standard der Neubauten steigt, umso relevanter für den CO₂-Fußabdruck eines Gebäudes werden die in der Konstruktion verbauten sogenannten grauen Emissionen. Wir wollten wissen, wie der Holzgegenüber dem Massivbau in einem unserer Projekte emissionstechnisch abschneidet. Die beiden Baukörper des Projekts Zürcherstraße in Bludenz wurden 3D-modelliert, woraus sich über die Planungssoftware sowohl das Gewicht der verbauten Materialien (Beton, Stahl etc.) als auch die bei der Rohstoffbeschaffung, dem Transport und der Produktion der Baumaterialien entstandenen Emissionen ergaben. In Summe kamen im Massivbau 3.360 Tonnen an Emissionen zusammen, im Holzbau 2.268 Tonnen. Letzterer schnitt also um 32 Prozent besser ab. Zum Vergleich: Der Jahresfußabdruck des Unternehmens Rhomberg Bau GmbH (Diesel, Strom etc.) beträgt ca. 2.300 Tonnen CO₂. Wir bleiben am Thema weiter dran und möchten künftig auch unsere Kund:innen dahingehend noch stärker sensibilisieren.

 

Plattformintelligenz

Transparenz trifft Kooperation trifft Effizienz: Die innovative digitale CREE-Plattform schafft ein Ökosystem für den Wissensaustausch von nachhaltigen Gebäudelösungen und die Weiterentwicklung sowie die gemeinsame Nutzung von Daten und Ressourcen. Damit wird sichergestellt, dass die gemeinsame Vision weiter ausgebaut sowie neue Konzepte und Module für die Zukunft entwickelt werden.

 

Ökologisch und leistbar wohnen

In verschiedenen Forschungsprojekten mit dem Energieinstitut Vorarlberg geht es um Antworten auf die Frage nach der ökologisch, ökonomisch und sozial besten Lösung in Sachen Bauweise, Gebäudetechnik und Heizsystem. Auch Bauzeit, Statik und Brandschutz sind relevante Parameter. 

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"Wir bündeln unsere Kompetenzen und gewinnen so wertvolle Erkenntnisse, wie zukunftsfähige Bauweisen und Energiesysteme in der Praxis funktionieren - und zum leistbaren Wohnen beitragen."
Martin Ploß
Bereichsleiter Energieeffizientes Bauen, Energieinstitut Vorarlberg
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